Datenschutz und Privacy in Japan - ein Alphabet

von Monika Bargmann, zuletzt aktualisiert am 29. September 2003


Inhaltsverzeichnis: Abhören - Bewusstsein - Civil Liberties-Organisationen - Datenschutzbeauftragter - Echelon - E-Commerce - E-Japan - Gesetzliche Regelungen - Handy - Konsumentenschutz - Medien - Nationale Identifikationsnummer - Parteien - Privacy Seals - Puraibashii - Temporary Mailbox - Videoüberwachung -

Abhören

In Japan gab es zahlreiche Zwischenfälle, bei denen Personen illegal abgehört wurden oder auf andere Art ihre Privatsphäre verletzt wurde. Einer der bekanntesten Fälle ist das illegale Abhören von Mitgliedern der Kommunistischen Partei (1). Einer der Betroffenen, Ogata Yasuo, erhob dagegen Klage und bekam Recht. Die Polizei hatte keinerlei Genehmigung eingeholt, die Telephongesellschaft hatte illegal technische Unterstützung geleistet (2).
2001 wurden hunderte von Akten über Koreaner, die in der japanischen Region Kansai leben, von der Kommunalverwaltung an die Public Security Investigation Agency (PSIA) übergeben. VertreterInnen der Minderheit äußerten Besorgnis darüber, dass hier ohne bestimmten Verdacht eine Gruppe überwacht werde. Die in den Fünfzigerjahren gegründete PSIA untersucht Gruppen, die als Bedrohung für die nationale Sicherheit gesehen werden. Werden Daten angefordert, muss vom Gesetz her eine Begründung angegeben werden. In diesem Fall hielt sich die PSIA aber zurück mit Begründungen: „,We cannot comment on any investigation that we may or may not be undertaking’, said the spokesperson, who refused to be identified.” (3)
Laut einem Artikel bei Wired  versucht die Polizei nun, das Abhören zu legalisieren, vor allem, weil die Zahl der Verbrechen in Japan im Steigen begriffen ist. Aus demselben Grund sind viele mit der Überwachung von E-Mails und Telephongesprächen einverstanden:
„Crime – once unthinkable in Japan – is on the rise. (…) For law-enforcement authorities, the trouble began back in 1995 when Aum Shinrikyo cultists released sarin gas in the Tokyo subway, killing a dozen people. The cops simply never saw the attack coming, and have been agitating for greater surveillance powers as a means of preventing such nastiness from happening again.” (4)

Bewusstsein

Über die Haltung und das Schutzbedürfnis der japanischen Bevölkerung gibt es unterschiedliche Ansichten. Der Newsweek-Herausgeber Steven Levy sagte zum Beispiel bei einem Vortrag in Osaka, dass die Leute in den USA besonders sensibel in Bezug auf Informationen, die die Regierung über sie halte, und Europäer besonders heikel bei kommerziell genutzten Informationen seien, während auf Japan keines von beiden zutreffe. „In Japan, neither is the case. There is much less feeling that people must protect themselves against the government, and it will be interesting to see just how the various governments deal with the problem” (5).
Eine Studie des Center for Social and Legal Research ergab dagegen, dass das Bewusstsein der Sensibilität persönlicher Daten sehr groß, sogar teilweise größer als in den USA sei. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Studie (6) seien hier wiedergegeben. Für die Untersuchung wurden tausend Personen ausgewählt und telephonisch (bei der durchschnittlichen Dauer von zwanzig Minuten) interviewt. Für die Teilnahme an der Umfrage wurden viertausend Yen (entspricht ca. 38 €) bezahlt. Außerdem wurden Focus Groups gebildet.
 
  • 77 Prozent der Befragten in Japan äußerten Bedenken über einen potentiellen Missbrauch persönlicher Daten.
  • 67 Prozent machen sich Sorgen um den Datenschutz beim Surfen im Internet.
  • 49 Prozent interessieren sich für Informationen über neue Produkte.
  • 42 Prozent bestellten im letzten Jahr Dinge via Katalog nach Hause.
  • 46 Prozent finden es gut, wenn Firmen Informationen über die Interessen eines Einzelnen haben, um maßgeschneiderte Angebote zu erstellen
  • 67 Prozent glauben, dass KonsumentInnen die Kontrolle darüber verloren haben, wie Firmen mit ihren persönlichen Daten umgehen, während sich nur 19 Prozent selbst für Opfer einer Datenschutzverletzung halten
  • Nur 34 Prozent glauben, dass die bestehenden Gesetze ausreichen

  •  

     

    Haltung und Verhalten verlaufen gerade in diesem Bereich nicht unbedingt synchron, wie folgende Auszüge zeigen.
     

  • 5 Prozent forderten bereits eine Firma auf, die Adresse von für Marketing verwendete Listen zu entfernen
  • 3 Prozent baten eine Firma, Daten nicht an Dritte weiterzugeben
  • 2 Prozent erkundigten sich nach den über sie gespeicherten Daten
  • 7 Prozent haben sich erkundigt oder haben nachgesehen, welche Datenschutzpolitik die Unternehmen haben. Diese Frage wird aber entscheidend anders beantwortet, wenn man nur die InternetbenutzerInnen unter den Befragten heranzieht: Hier sagen 92 Prozent, dass es für sie beim Besuch von kommerziellen Websites vor der Eingabe von persönlichen Daten wichtig ist, dass eine Privacy Policy erklärt, wie hier mit den Daten umgegangen wird
  • Außerdem: 30 Prozent verweigerten einer Firma Informationen, weil sie nicht nötig oder zu persönlich waren, und 52 Prozent entschlossen sich, von einer Firma lieber nichts zu kaufen, da sie sich nicht sicher waren, wie mit ihren Daten umgegangen wird.

  •  

     

    Vielleicht sind den meisten die Möglichkeiten, sich auf eine „Robinson-Liste“ setzen zu lassen oder die über sie gespeicherten Daten einzusehen, einfach nicht bekannt. Nun zur Haltung gegenüber Regierungsbehörden:
     

  • 74 Prozent sind mit der Handhabung von Daten durch Regierungsbehörden nicht zufrieden und wünschen sich, dass diese mit gutem Beispiel vorangehen würden.

  •  

    Civil Liberties-Organisationen

  • Networkers against Surveillance Taskforce (7): Diese Organisation ist auch Mitglied der Global Internet Liberty Campaign GILC (8) und nahm an zahlreichen gemeinsamen Aktionen teil
  • Civil Liberties Bureau: Das Civil Liberties Bureau ist für die Einhaltung und den Schutz der Menschenrechte zuständig. Sowohl BehördenvertreterInnen als auch Freiwillige arbeiten hier mit.
  • „Its functions include investigating into and dealing with human rights infringement cases, providing human rights counseling services, promoting public awareness of human rights, and funding and supervising the legal aid system“. (9)
  • People's Coalition against Wiretapping Law: Diese Gruppe wandte sich unter anderem gemeinsam mit der Networkers against Surveillance Taskforce gegen das Vorhaben „Temporary Mailbox“ (siehe dort).
  • Für Datenschutz setzt sich auch besonders die Japan Housewives’ Association Shufuren (10) ein. Diese Organisation hat um die 26 Millionen Mitglieder im ganzen Land. Shufuren fordert starke nationale Gesetze und will mit einer Kampagne die KonsumentInnen zu sicherem Verhalten beim E-Commerce anregen (11).

  •  
  • Siehe auch Punkt "Konsumentenschutz"

  •  

    Datenschutzbeauftragter

    Der japanische Datenschutzbeauftragte ist Eiichi Mogaki. Adresse: 3-1-1, Kasumigaseki, Chiyodaku Tokyo 100 (12).
     

    Echelon

    Auch Japan ist am Echelon-Netzwerk beteiligt. Zum Beispiel durch eine US-amerikanische Militärbasis in Misawa, die Abhörapparaturen beherbergt, und durch eine von Bürgerrechtsorganisationen befürchtete Beteiligung der Regierung am Echelon-Netzwerk (13).  Dagegen gab es zahlreiche Proteste von Anwälten und Bürgerrechtsorganisationen. Am 15. Februar 2002 traf zum Beispiel Ilka Schröder, deutsche Abgeordnete zum Europäischen Parlament und Mitglied des Echelon-Ausschusses, mit zwölf Mitgliedern des Europäischen Parlaments und mehreren Organisationen zusammen. Darunter waren die Anwaltsvereinigung Japan Federation of Bar Associations (14), Networkers against Surveillance Taskforce, Japan Consumer Union und People's group against wiretapping law (15).  Dieser Besuch war sehr erfolgreich – bei insgesamt vier Veranstaltungen informierten sich mehrere hundert Echelon-GegnerInnen bei Schröders Vorträgen (16).
     
     

    E-Commerce

    1998 und 1999 nahm die japanische Konsumentenschutzorganisation Consumer Law News Network CLNN an einer internationalen Studie von Consumers International teil. Dabei wurden japanische E-Commerce-Seiten auf ihre Daten- und Konsumentenschutzfreundlichkeit hin untersucht. Dabei schnitten die Seiten teilweise gut ab, teilweise wurden Mängel festgestellt. Im Vergleich zu den zehn anderen Nationen lag Japan beim Ranking ungefähr in der Mitte. 71 Prozent der Seiten gaben eine Kontaktadresse an, 57 Prozent Telephonnummern, aber nur 29 Prozent eine Kontaktperson und gar nur 5 Prozent eine E-Mail-Adresse. Allgemein gesprochen, verzichteten die meisten Seiten auf unverhältnismäßige Datensammlung. Die häufigsten nicht-notwendigen Angaben mussten dabei zu Geschlecht, Beruf und finanzieller Situation gemacht werden. Keine einzige Seite informierte die BesucherInnen über den Gebrauch von Cookies. Keine Seite unterrichtete über die Möglichkeit, wie man unerwünschte Zusendungen verhindern kann. Außerdem gab es keine Angaben über (technische/organisatorische) Datensicherheit (17).
    Datenschutz wird als wichtige Voraussetzung für das „Gelingen“ des E-Commerce gesehen, dieser wiederum als wirtschaftliche Zukunft des Landes (18):
    „The slow spread of e-commerce is attributed to the high cost of Japan’s telecommunications and consumers anxiety about the security of online transactions, including online fraud and the leaking of personal information such as credit card numbers and passwords.“ (19)

    E-Japan

    Ein Ziel des e-Japan Priority Policy Programs ist es, dass 2005 „every consumer can transact EC [Electronic Commerce] without concern about personal data outflow or misuse of PCs“(20).
     

    Gesetzliche Regelungen

  • Übersicht: Eine gute Übersicht über die einschlägige Gesetzgebung, von der Verfassung über Richtlinien bis zu Urteilen, in Japan gibt es bei PrivacyExchange (21).
  • Soshikiteki Hanzai Taisaku How: Gesetz gegen das organisierte Verbrechen. 1996 schlug das Justizministerium ein Gesetz vor, mit dem unter anderem das Abhören legalisiert werden würde (22).
  • Gesetz zur Ahndung von Privatsphäre-Verletzungen: 2001 wurde ein Gesetz vorbereitet, mit dem die Verletzung von Privatsphäre im Internet bestraft werden soll. Internet Service Provider können Material, das die Privatsphäre von Individuen verletzt, vom Netz nehmen; sie müssen allerdings vorher den Verursacher darüber informieren und ihm sieben Tage Zeit geben, die Sache zu bereinigen. Außerdem können die Provider den „Opfern“ Auskunft über die Identität der „Täter“ geben:
  • „The bill would also promote disclosure of information about senders of certain questionable content. It would, for example, enable service providers to provide victims with information about those who have infringed upon their privacy.” (23)
  • Datenschutzgesetz: Im März 2001 wurde ein Gesetz erlassen, das einen Rahmen für die Verwendung von personenbezogener Information für den kommerziellen Gebrauch darstellen soll. Inhalte sind unter anderem: Verbot der Weitergabe von personenbezogenen Daten an Dritte ohne Zustimmung des Betroffenen; Auskunftspflicht über gespeicherte personenbezogene Daten; Verbot der Verwendung von personenbezogenen Daten für andere als die angegebenen Zwecke; transparente Sammlung von Information. Das Gesetz soll im Frühjahr 2003 in Kraft treten (24).
  • Verfassung von 1946: In Artikel 21 werden Versammlungs-, Rede-, Presse- und Meinungsfreiheit festgehalten: „Freedom of assembly and association as well as speech, press and all other forms of expression are guaranteed. 2) No censorship shall be maintained, nor shall the secrecy of any means of communication be violated.“ Artikel 35 geht spezieller auf Überwachung ein und erinnert stark an die entsprechende Formulierung im vierten Zusatzartikel der US-amerikanischen Ver-fassung:  „The right of all persons to be secure in their homes, papers and effects against entries, searches and seizures shall not be impaired except upon warrant issued for adequate cause and particularly describing the place to be searched and things to be seized, or except as provided by Article 33. 2) Each search or seizure shall be made upon separate warrant issued by a competent judicial officer.“ (25)
  • Guidelines on the Protection of Personal Data in Telecommunications Business: 1990 und 1991 wurde vom Ministerium für Post und Telekommunikation (MPT) eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit Schutz personenbezogener Daten beschäftigte. Aufgrund deren Bericht wurden diese Richtlinien geschaffen. Sie sollen unter anderem sicherstellen, dass Datensammlungen und die Verwendung dieser Daten nur verhältnismäßig erfolgen, dass die Personen ihre „informationelle Selbstbestimmung“ über ihre Daten ausüben können und dass eine Person genannt wird, die verantwortlich für den korrekten Umgang mit Daten ist. Die Richtlinien sind nicht verpflichtend, man appelliert viel mehr an die Unternehmen, sie freiwillig zu befolgen.(26)

  •  

     
     
     

    Handy

    Das Handy als Fahndungsinstrument – geht es nach der japanischen Polizei. Auf einer via Mobiltelephon abrufbaren Seite finden sich Fahndungsphotos und Beschreibungen, die man auf das Handy-Display laden und mit Leuten, denen man auf der Straße begegnet, vergleichen kann:
    Jeder Handybenutzer mit Internet-Zugang’ könne sich ,die Konterfeis auf sein Telefondisplay laden und mit den Gesichtern verdächtiger Personen auf der Straße vergleichen’, erklärte der Polizeisprecher“. (27)

    Konsumentenschutz

    In Japan gibt es mehrere Konsumentenschutzorganisationen, die auch bei Consumers International organisiert sind (28):
  • Consumer Law News Network (CLNN; seit 1995 Mitglied)
  • Consumers Union Japan (seit 1972 Mitglied)
  • National Consumer Affair Center (seit 1978 Mitglied) (29)
  • Japan Consumers Association (seit 1962 Mitglied) (30)
  • National Liaison Committee of Consumer Organisations (Mitglied seit 1978) (31)
  • Tokyo Metropolitan Comprehensive Consumer Centre (bei Consumers International seit 1998)

  •  

    Medien

    In Japan landen seit den späten 90er Jahren zahlreiche Datenschutzverletzungen auf den Titelseiten und in den Schlagzeilen der Medien.
    „There has been a flury of news reports on privacy and data security violations. Likewise, government privacy initiatives, including the revised Residence Registration Act, the new Wiretapping Law, the Freedom of Information Act and the proposal for a comprehensive data protection law, have received broad media coverage. The news media has publicly aired comments and reservations to the draft for new comprehensive privacy legislation.” (32)
    Unter anderem dadurch sind Umfrageergebnisse zu erklären, nach denen die meisten JapanerInnen sich schon Gedanken über Datenschutzprobleme gemacht haben: „Almost 9 out of 10 Japanese consumers have recently read or heard about privacy issues in Japan.“ (33)
     
     

    Nationale Identifikationsnummer

    Als in den 70er Jahren die technische Entwicklung der Computer die Verarbeitung großer Datenmengen ermöglichte, wollte die Regierung eine nationale Identifikationsnummer einführen. Dieses Vorhaben wurde aber von Gewerkschaften, dem universitären Bereich und der Bevölkerung vehement abgelehnt. Der Gesetzesentwurf musste 1973 zurückgezogen werden, und die Regierung verpflichtete sich, etwas Vergleichbares erst wieder vorzuschlagen, wenn ein Konsens hergestellt würde und wenn man die Konsequenzen genauer untersucht hätte. (34)
     

    Parteien

    Eine Darstellung der Grundhaltungen der japanischen Parteien zum Thema Datenschutz hat PrivacyExchange zusammengestellt. Grundsätzlich sprechen sich alle Parteien für Datenschutz aus, allerdings in unterschiedlicher Intensität und in unterschiedlichen Ansätzen. (35)
     
     

    Privacy Seals

     
  • TRUSTe: Die Organisation TRUSTe (36) arbeitet mit der Japan Engineers Federation (JEF) (37) zusammen, um ihr Datenschutz-Siegel auch in Japan zu etablieren und ihre Zertifikation auch für japanische Websites zu ermöglichen. Somit können auch Beschwerden in japanischer Sprache akzeptiert werden. (38)
  • BBBOnline: BBBOnline (39) ging mit dem japanischen Privacy-Seal-Programm JIP-DEC (Japan Information Processing Development Center) (40) ein JointVenture ein. Dadurch soll eine gegenseitige Anerkennung der Siegel ermöglicht werden (41). JIPDEC wurde vom Ministerium für Handel und Wirtschaft (MITI) gegründet und ist eine Non-Profit-Organisation. Seit 1998 wird das „System for Granting Marks of Confidence for Privacy Protection“ angeboten. (42)
  • Kanagawa Mark System: Das Siegel der Präfektur Kanagawa (43) ist das älteste. Bereits in den Achtzigerjahren wurden Kommissionen eingesetzt, die sich um entsprechende Regelungen bemühen sollten, und so wurde 1986 eine Verordnung zum Datenschutz erlassen. Das „Personal Data Handling Operation Registration Mark“ (PD Mark) wurde 1990 geschaffen; jede Firma, deren Datenschutzpolitik den Richtlinien der Präfektur entspricht, erhält das Siegel. Dafür genügt allerdings eine einmalige Prüfung, Nachfolgeprüfungen sind nicht vorgesehen - man überprüft eher die Selbstverpflichtung der Unternehmen. (44)
  • JDCA Mark: Die Japanese Data Communication Association (JDCA) (45) rief 1998 das „Personal Information Protection Mark“ ins Leben. Dieses Siegel soll KundInnen helfen, Telekommunikationsunternehmen auszuwählen, die sich besonders um den Datenschutz verdient machen. Das Siegel kann in der Werbung und auf Drucksorten verwendet werden. Das Zeichen wird allerdings schon verliehen, wenn ein Unternehmen eine den Richtlinien entsprechende Privacy Policy einführt und bekannt macht. (46)

  •  

     
     
     

    Puraibashii


    Der Begriff „puraibashii“ (Privacy) dürfte erstmals in den 1920er Jahren in der Literatur aufgetaucht sein, etablierte sich aber erst in den späten 1950er Jahren. Rechte zum Schutz der Persönlichkeit wurden bereits im Bürgerlichen Gesetzbuch  von 1896 (47) und in der Verfassung  von 1946 (48) festgehalten, diese umfassten allerdings eher Schutz von Leben und Eigentum und noch nicht den Schutz von persönlichen Informationen. Das erste Buch zum Thema Privacy in Japan, „The Right to Privacy“ von Masami Ito, erschien in den frühen 60ern. In dieser Zeit erregten auch einige Prozesse Aufsehen, in den Prominente sich vor dem Zugriff von Journalisten schützen wollten. (49)
     

    Temporary Mailbox


    Unter dem Namen „Temporary Mailbox“ verbirgt sich ein Carnivore-ähnliches System. Das National Police Department hatte um Geld für die Entwicklung eines Systems zur Überwachung von E-Mails angesucht. Die Öffentlichkeit erfuhr davon, weil der sozialdemokratische Politiker Mizuho Fukushima ein Hearing forderte, während dem Details über die „Temporary Mailbox“ zu Tage kamen. Das für 2001 vorgesehene Budget umfasst 140 Millionen Yen (zu diesem Zeitpunkt entsprechend 1,4 Millionen Dollar). (50)
     

    Videoüberwachung


    Videoüberwachung wird zum Beispiel im Tokioter Bezirk Kabukicho angewandt (51).  In dem Vergnügungsviertel wurden fünfzig Kameras installiert, um die Fußgänger zu überwachen. Diese Maßnahme wurde von Geschäftsinhabern gefordert, da die Zahl der Verbrechen stark gestiegen und dadurch die Zahl der Gäste zurückgegangen sei. Die Bilder werden zur Polizei übertragen und dort für die Verwendung bei Ermittlungen gespeichert. Von einigen Personen, die in Kabukicho arbeiten, werden allerdings Bedenken geäußert, dass diese Maßnahme genau das Gegenteil bewirken könnte, denn niemand wolle sich gerne beim Betreten eines Nachtklubs oder „Massagesalons“ filmen lassen.
    Außerdem gibt es Hinweise, dass die Videoüberwachung gesetzeswidrig ist. Die Polizei geht mit eigenen Vorschlägen auf diese Bedenken ein:

    „The police spokesman said the department is now deliberating on a set of rules covering what officers can do with the tapes and how long they can be kept in police files. In a bid to avoid rights violations, the police department plans to install signs near the cameras to inform pedestrians of their presence, he said.” (52)
    Bereits 1986 führte die National Police Agency (53) das sogenannte N-System ein, das aus über fünfhundert Kameras an Verkehrsknotenpunkten im ganzen Land besteht und automatisch die Nummernschilder erfasst, um gestohlene Autos wiederzufinden. Dazu kommen 365 Kameras an viel befahrenen Kreuzungen (zur Aufnahme von Unfällen) und 320 Kameras an Hauptverkehrsadern (zur Überführung von Schnellfahrern). Zahlreiche weitere Kameras sind geplant, falls die Zahl der Verbrechen in Kabukicho tatsächlich zurückgeht (54). Die Videoüberwachung wird auch gerne Besuchern, wie dem  brandenburgischen Justizminister Kurt Schelter bei dessem Japanbesuch, vorgeführt. (55) Übrigens erhielt die Hamburger Firma I-TO-I, Anbieter von sogenannten VIS (Vehicle Identification Systems), Aufträge aus Japan für Autokennzeichen-Erkennungssysteme (56).

    Fußnoten

    (1)  Rötzer, Florian: "Vom Menschenrecht, in Ruhe gelassen zu werden". In: Telepolis, 23. September 2000 [online]
    (2) Ogura, Toshimaru: "Japan's Big Brother The Wiretapping Bill and the Threat to Privacy" [online]
    (3) Tegler, Gary: "Osaka’s Koreans slam invasion of privacy". In: Japan Times, 4. September 2001 [online]
    (4)  Lazarus, David: Japan: More Crime, Less Privacy. In: Wired News, 2. Juni 1999 [online]
    (5)  "Net poses privacy problems: speaker". In: Japan Times, 18. Juli 2001 [online]
    (6)  Westin, Alan: Japan Consumer Privacy. A National Survey of the Japanese Public and Comparisons with the U.S. Center for Social and Legal Research, 2000
    (7) http://www.jca.apc.org/index-en.html; http://www.jca.apc.org/privacy/
    (8) GILC: http://www.gilc.org/about/members.html
    (9) http://www.moj.go.jp/ENGLISH/CLB/clb-01.html
    (10) http://www.shufuren.gr.jp/
    (11) Center for Social and Legal Research: Guide to Privacy and Data Protection Program in Japan and Guide to E-Commerce and Privacy Development in Japan, 2000, S. 9
    (12) http://www.bfd.bund.de/anschriften/dsb_inter.html#Jap
    (13) http://www.jca.apc.org/jca-net/news/press/20000619-en.html
    (14) http://www.nichibenren.or.jp/english/
    (15) Echelon in Japan, http://www.quintessenz.at/archiv/msg01830.html, 31. Jänner 2002
    (16)  Echelon in Japan, http://www.quintessenz.at/archiv/msg01855.html, 18. Februar 2002
    (17) http://www.privacyexchange.org/japan/jsurveys/clnnsurvey.html
    (18)  Westin, Alan: Comments on Japan’s Network Culture and the IT Revolution [online]; "Privacy Protection is Key to Internet Business". In: Asiabiztech, 18. Oktober 2001 [online]
    (19) Nakamura, Akemi: "Online stores struggle for sales. Firms overestimated potential of Net-based marketing". In: Japan Times, 14. Juni 2001 [online]
    (20) http://www.kantei.go.jp/foreign/it/network/priority/slide6.html
    (21) Japanese Legal Library bei PrivacyExchange [online]
    (22) "Japanese Wiretapping Bill is prepared now", 1. April 1997 [online]; http://www.privacyexchange.org/japan/jlegal/wiretaplaw.html
    (23) "Ministry acts to aid Internet privacy" [online]
    (24)  "Bill on data protection approved by cabinet". In: Japan Times, 28. März 2001 [online]
    (25) Japanese Constitution, http://www.solon.org/Constitutions/Japan/English/english-Constitution.html; http://www.gilc.org/privacy/survey/surveyak.html#Japan
    (26) Report from the Study Group on Privacy Protection in Telecommunications Services, Chapter 1 [online]
    (27) "Mit dem Handy auf 'Verbrecher-Jagd' " In: Futurezone, 6. November 2000 [online]; "JP: Menschenjagd mit dem Handy". In: q/depesche, 6. November 2000 [online]
    (28) http://www.consumersinternational.org/members/index.html#J
    (29) http://www.kokusen.go.jp/jcic_index_e.html
    (30) http://worldwideweb.sphere.ne.jp/jca-home
    (31) http://www.shodanren.gr.jp/
    (32) Center for Social and Legal Research: Guide to Privacy and Data Protection Program in Japan and Guide to E-Commerce and Privacy Development in Japan, 2000, S. 9
    (33) Westin, Alan: Japan Consumer Privacy. A National Survey of the Japanese Public and Comparisons with the U.S. Center for Social and Legal Research, 2000
    (34) Center for Social and Legal Research: Guide to Privacy and Data Protection Program in Japan and Guide to E-Commerce and Privacy Development in Japan, 2000, S. 1
    (35) The Political Parties on Privacy and Data Protection, http://www.privacyexchange.org/japan/jlegal/partyprivacy.html
    (36) http://www.truste.org/
    (37) http://www.jef-site.org/
    (38) http://asia.internet.com/asia-news/print/0,,161_675191,00.html, 3. März 2001; Creed, Adam: "Truste hopes to spread privacy program to Japan", 19. März 2001 [online]
    (39) http://www.bbbonline.org/
    (40) http://www.jipdec.or.jp/kyotu_page/outline.htm
    (41) http://www.bbbonline.org/about/press/2000/051800.asp, 18. März 2000
    (42) Roßnagel, Alexander: Datenschutzaudit in Japan. DuD 3/2001, S. 154 [Abstract online]
    (43) http://www.pref.kanagawa.jp/e-index.htm
    (44) siehe 42
    (45) http://www.jdca-net.com/
    (46) Roßnagel, Alexander: Datenschutzaudit in Japan. DuD 3/2001, S. 155 [Abstract online]
    (47) http://www.law.osaka-u.ac.jp/~kagayama/Expert/Civ-CISG/CivCISG.html#Background
    (48) Japanese Constitution, http://www.solon.org/Constitutions/Japan/English/english-Constitution.html
    (49) Center for Social and Legal Research: Guide to Privacy and Data Protection Program in Japan and Guide to E-Commerce and Privacy Development in Japan, 2000, S. 1
    (50) "Carnivore auf Japanisch", In: q/depesche, 19. November 2000 [online]
    (51) Matsubara, Hiroshi: "Cameras to give police a Kabukicho ‚peep’ show", In: Japan Times, 5. Juni 2001 [online]
    (52) siehe 51
    (53) http://www.npa.go.jp/police_e.htm
    (54) siehe 51
    (55) http://www.mdje.brandenburg.de/publikationen/pm26-07-00-3.htm
    (56) http://www.i-to-i.de/de/news/mitteilungen/news-investor.htm